academic publishing – Wissen veröffentlichen

academic publishing: Auf welche Weise veröffentlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Erkenntnisse?
Gilt die Unterdrückung der öffentlichen Meinung als größte Hürde der Wissensgesellschaft. Gibt es eine Steuer auf Bildung? Eine Unterdrückung der öffentlichen Meinung?

Ich habe bereits einen Eintrag zur Verhaltensweise wissenschaftlicher Verlage verfasst. Da mich das Thema weiter beschäftigt hat, gehe ich noch einmal darauf ein.

 

Oft wird behauptet, dass Menschen ermutigt werden sollten, in einem Naheverhältnis zu akademischen Einrichtungen sowie generell zur Wissenschaft zu stehen. Dies sei nicht nur wichtig um zu verstehen, sondern auch um mitsprechen und entscheiden zu können. Demokratische Entscheidungen sollen sich dabei auf möglichst aktuelles Wissen stützen können.
Diese Diskussion ist irrelevant, so lange Verlage das benötigte Wissen hinter geschlossenen Türen hüten und hohe Zugangshürden errichten.

Teilweise sind wir es bereits gewohnt kleine Beiträge (von etwa einem Euro) zu bezahlen um Zugang zu Online-Archiven zu erhalten. Damit erkaufen wir uns die Möglichkeit so viele Texte zu lesen oder herunterzuladen wie wir wollen. Deutlich anders sieht es bei den wissenschaftlichen Verlagen aus. Wer sich schockieren lassen möchte kann selbst bei den drei Größten – Elsevier, Springer und Wiley – vorbeischauen um herauszufinden, wie viel man dort jeweils für nur einen einzigen Artikel zu zahlen hat. Will man mehrere Beiträge lesen, wird man für jeden einzeln zu Kasse gebeten.
Es könnte eine Lösung sein in die Bibliothek zu gehen (sofern in der eigenen Gemeinde überhaupt noch eine existiert). Aber die Summen die für jährliche Abonnements verlangt werden sind noch atemberaubender. Obwohl öffentliche Büchereien versuchen möglichst wenige Abos einzugehen, machen diese immer noch den Großteil ihres Budgets aus. Als Folge daraus, muss die Anzahl der Neuanschaffungen reduziert werden.

Die Krux der Geschichte ist, dass den wissenschaftlichen Verlagen die Artikel, das Peer-Review (Prüfung durch andere Forscher) und sogar ein Gutteil der Redaktion kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Das Material welches sie veröffentlichen wurde von staatlicher Seite veranlasst und finanziert. Aber um die Ergebnisse sehen zu können, müssen wir (wieder) dafür zahlen?
Universitäten sind darauf angewiesen Zugänge zu erwerben. Neue wissenschaftliche Arbeiten müssen von Forscherinnen und Forschern gelesen werden, um in ihrem Gebieten auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Zu einer aktiven Unterstützung der Verbreitung von Forschungsergebnissen durch die großen Verlage kommt es nicht. Durch lange Durchlaufzeiten treten nicht selten Verzögerungen um bis zu einem Jahr auf.

Dies ist ein Fall von Rentenkapitalismus: Eine öffentliche Ressource wird monopolisiert nur um exorbitante Gebühren für die Benutzung zu verlangen. Ein anderer passender Begriff wäre wirtschaftlicher Parasitismus: Um Zugang zum Wissen zu bekommen, für welches wir bereits Abgaben geleistet haben, müssen wir erneut Abgaben an Zugangswächter entrichten.
Für mich ist das eine Steuer auf Bildung. Eine Unterdrückung der öffentlichen Meinung. Hier wird aus meiner Sicht gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (Artikel 27, 1) verstoßen.
Müsste ich einen Tipp abgeben, wer die (ruchlosesten) skrupellosesten Kapitalisten in der westlichen Welt sind, würde ich nicht auf amerikanische Größen wie WalMart oder Rupert Murdoch tippen. Nicht einmal die großen Ölkonzerne oder Banken würde ich in Betracht ziehen.
Ich setze auf die wissenschaftlichen Verlage!

 

Die Gelegenheit ist günstig
academic publishing – Wissen veröffentlichen

In bestimmten Situationen ist es klüger keine Antworten zu geben

Keine Antworten zu geben ist in bestimmten Situationen weitaus klüger als immer gleich alles bis ins letzte Detail zu erklären. Wenn ich im Unterricht gefragt werde, wie man dies oder jenes macht, gebe ich oft aus gutem Grund keine direkte Antwort. Es geht nicht darum mein erworbenes Wissen nicht weitergeben zu wollen …. ganz im Gegenteil. Wissen sollte niemandem gehören, es sollte verteilt genutzt, oder besser noch, entdeckt werden.
Ein großer Teil des Lehrkörpers ist fest davon überzeugt, dass es eindeutige Antworten gibt in deren Besitz sie sind. Diese Lehrerinnen und Lehrer spielen eine Art Spiel, in dem sie die Schülerinnen und Schüler dazu auffordern, die Antwort in ihrem Kopf zu erraten. Es wäre wohl besser dieses Spiel umzukehren.

Dinge für sich selbst herauszufinden hat einen hohen Wert. Selbst zu Überlegen ist die beste Art zu lernen. Aber es ist schmerzhaft und eine Menge Arbeit – die lange Ungewissheit ist unbequem.
Ziel der ganzen Unternehmung ist erkennen zu können, wann eine Regel nur eine Konvention entwickelt aus Bequemlichkeit, oder ein allgemeines Gesetz ist. Die grundlegenden Annahmen die hinter allem liegen an das wir glauben, müssen hinterfragbar bleiben. Das Erlernen von regelbasierten Lösungen, ohne sie zu verstehen, ist unvollständiges lernen.
Wissen ist die verstehende Aneignung eines Zusammenhangs, eine Vertrautheit mit Fakten und Formeln und lässt sich nur in der eigenen Auseinandersetzung aneignen. Verstehen ist die Fähigkeit die Prinzipien des Wissens an neue Gegebenheiten anpassen zu können. Lernen ist ein Prozess in dem vorgefertigte Antworten für die gestellten Aufgaben unzureichend und Lösungen vorübergehend immer unsicher sind.

Wenn man an einem Problem arbeitet agiert man ungeschickt, zögerlich oder blindlings und ohne das vollständige Ergebnis antizipieren zu können.
Studentinnen und Studenten sollten „trainiert“ werden die Regeln und Sprache ihrer Disziplin zu erlernen. Wesentlich wichtiger ist aber, dass sie ermutigt werden, trotz der Tatsache nicht alle Antworten leicht finden zu können, nicht aufzugeben.

  • Sie lernen, dass die erste Antwort vielleicht nicht die Beste ist.
  • Sie lernen, wie die vorangegangene Antwort ihnen dabei helfen kann, den Gedanken weiterzuentwickeln aber trotzdem nicht zur nächsten Antwort zu kommen.
  • Sie lernen, dass es mehr als eine Art der Verfahrensweise oder einen Weg gibt Dinge zu interpretieren.
  • Sie lernen, wie Wissen und Können Mittel und Beginn, aber kein Ende sein kann.
  • Sie lernen, wie man mit Unsicherheit umgeht um trotzdem zu Ergebnissen, die nicht vorgegeben sind, zu kommen.
  • Sie lernen, dass man für die wichtigen Dinge auch Risiken eingehen muss.
  • Sie lernen, wie man immer und überall nach Antworten suchen kann/muss.
  • Sie lernen nichts als heilig und alles als heilig zu betrachten.
  • Sie lernen, wie man vom Ufer abstößt um in die Mitte des Flusses zu gelangen.