Grundlegende Veränderungen durch technologische Entwicklung

Seit Bekanntwerden der Überwachungsaffäre rund um PRISM sind Medien und Laien an Technologien interessiert, die bisher nur für einen kleinen Kreis von technikaffinen Menschen von Bedeutung waren.
Die Auskenner, die Ewigmorgigen, die Avantgarde der Hightech-Spießer haben eine ganz andere Sicht auf technologische Entwicklungen als der Durchschnittsbürger.

Als in den Fünfzigerjahren Bildschirme für Computer eingeführt wurden, wiesen sie diese Zumutung von sich. Was sollte man von Menschen halten, die keine Ahnung vom Lochkartenstanzen haben? Als in den Siebzigerjahren das Betriebssystem Unix seinen Siegeszug durch die akademisch-digitale Welt antrat, entstand eine neue Art von Gurutum. Unix war komplex und mächtig, und unter anderem unerlässlich, um ein Netzwerkprotokoll namens „Internet“ zu bedienen. Zugleich gab es eine neue Art von blutigen Anfängern, die ihre Spielzeugcomputer („PC“, “MacIntosh“) mit fahrbaren Hilfetasten für Idioten („Maus“) bedienten.
1993 dann der Schock: Marc Andressen programmierte den ersten visuellen Browser für’s Internet, den sogar ältere Damen mit Hut nach zehn Minuten bedienen konnten – ohne jemals etwas von Unix gehört haben zu müssen. Dies war eine schwere narzisstische Kränkung. Die Welt war danach eine Andere.

Es ist kein Verdienst, schon ganz früh dabei gewesen zu sein. Auch wenn das für viele Neuland sein dürfte: Niemandem nützt es heute noch etwas, wenn er erfährt, wie man eine virtuelle Lochkartenstanze in einem IBM-Mainframe bedient oder wie man auf einem C64 ein Maschinenspracheprogramm startet. Als historisches Wissen fördert es das Verständnis und sollte deshalb einen angemessenen Stellenwert haben. Aber das Wissen über die sich entwickelnde digitale Welt wird immer schneller historisch.
Technologische Entwicklungen erfolgen so schnell und verändern die Natur unserer Gesellschaft so grundlegend, dass wir Gefahr laufen, über unser eigenes Schicksal nicht mehr selbst bestimmen zu können. Neue Systeme können es Regierungen ermöglichen, große Datenmengen über Privatpersonen zu sammeln und dadurch in letzter Konsequenz die Freiheit des Individuums einschränken.

Wenn wir möchten, dass alle so von Technologie begeistert sind wie die Enthusiasten unter uns, müssen wir dafür sorgen, dass auch alle an dieser interessanten Reise in die Zukunft teilhaben können. Nur gemeinsam können wir kritisch an einer Weiterentwicklung arbeiten. Im Moment gibt es die Lösung noch nicht. Die Entwicklung ist das Wesentliche. Überall auf der Welt versuchen Menschen zu lernen, wie man online miteinander umgehen kann. Wie man im Internet leben kann. Wir sollten alle einladen nicht nur die öffentlich gewordenen Überwachungssysteme kritisch zu hinterfragen, sondern auch aktiv an möglichen Zukunftsszenarien zu arbeiten.

Von legitimer Beweisfindung zu blindem Verfolgungswahn

Der Weg von legitimer Beweisfindung bis zu blindem Verfolgungswahn ist kürzer als man denkt.
Sind wir so furchtsam geworden? Sind wir so feige, dass wir jeden überwachen müssen um unser subjektives Sicherheitsgefühl aufzubessern? Es dauert nie lang, bis irgendjemand Zensur erkennt. Aber wer das Wort ausspricht, wirkt schnell hysterisch.

Wir glauben so fortschrittlich zu sein. Folterung von Ketzern und Hexenverbrennungen halten wir für Geschichte. Bevor man sich versieht, droht plötzlich alles wieder von vorne anzufangen.
Wenn der erste Aufdecker zensiert, die erste Meinung verboten, die erste Freiheit verweigert wird, sind wir alle unwiderruflich gefesselt. Wenn Grundfreiheiten irgendeines Menschen zum ersten Mal beschnitten werden, ist das ein Schaden für alle.

Es wird immer jemand da sein um im Namen der Rechtschaffenheit Furcht zu verbreiten. Wachsamkeit ist der Preis den wir kontinuierlich zahlen müssen. Unklare Regeln schaffen eine Kultur der Unsicherheit. Als Konsequenz wird jeder vor allem zur Selbstzensur ermutigt.
Der sich schleichend verbreitende Flurschaden ist noch nicht abzusehen. Aber die drohende Verflachung liegt auf der Hand.

Kette schmieden
Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet

Ende des Universalrechners

Das Ende des Universalrechners wirft seine Schatten voraus. Durch zunehmenden Druck kommt es zu Veränderungen. Die Welt in der wir heute leben wird von Computern bestimmt. Selbst die einfachsten Gerätschaften sind meist schon Universalrechner mit spezieller Software. Die Folgeerscheinungen der weiteren Entwicklung unserer computerisierten Welt sind noch völlig unklar. Immer deutlicher wird hingegen, dass Restriktionen nicht zum gewünschten Ziel führen.
An einem Beispiel wird die grundsätzliche Veränderung besser deutlich: Die Verordnungen bezüglich Rundfunkgeräten basieren auf der Idee, dass die Eigenschaften eines Gerätes zum Zeitpunkt der Herstellung festgelegt werden und danach nicht mehr verändert werden können. Es ist nicht möglich im Babyfon einen Schalter umzulegen um andere Signale einzufangen. Für leistungsfähige softwaregestützte Signalempfänger genügt das Einspielen einer Erweiterung um den Funkverkehr von Notdiensten oder Fluglotsen mithören zu können.
Als Konsequenz darauf ergibt sich die Frage ob Computer versiegelt werden sollten um nur von einer zentralen Behörde erlaubte Programme ausführen zu können.

Die Zukunft lässt sich durch den Nebel der Unsicherheit bereits erahnen. Die 3D-Druck-Technologie wird Anlass für viele kleine und größere Beschwerden sein. Richterinnen und Richter werden sich mit vielfältigen Fällen beschäftigen müssen. Viele Möglichkeiten des 3D-Drucks können wir uns heute noch nicht einmal vorstellen.
Es braucht keinen Science-Fiction-Schriftsteller um zu verstehen warum Regulierungsbehörden zunehmend nervös werden. Durch den Benutzer veränderbare Firmware in selbstfahrenden Autos oder das Potenzial von DNA-Sequenzern – die Perspektiven sind beunruhigend. Stell dir vor, was passieren wird wenn Monsanto eines Tages beschließt, dass es wirklich wichtig ist sicherzustellen, dass Computer nicht Programme ausführen können die spezialisierte Peripherie dazu bringt benutzerdefinierte Organismen zu produzieren die dein Mittagessen verzehren. Ende des Universalrechners weiterlesen